Saturday, May 3, 2008

Ich bin in China

Im internationalen Zug von Hanoi nach China teilte ich ein Abteil mit einem schwedischen Pärchen und wir erreichten die Grenze kurz nach Mitternacht. Bevor wir offiziell nach China einreisen konnten, mussten wir erst noch die Fragen der chinesischen Grenzbeamten beantworten und auch mein Gepäck wurde äußerst sorgfältig durchsucht. Sie schauten sogar in mein Portemonnaie und fanden ein paar alte Zettel, die ich bestimmt schon seit Indien dort drinnen stecken hatte und wollten wissen, was darauf geschrieben steht. Nach vielen Fragen waren sie sich letztendlich einig, das ich kein Journalist bin (was schlecht gewesen wäre) und ließen mich in ihr Land. Am Nachmittag kamen wir dann in Guilin an, im Südwesten Chinas.
Guilin ist einer der bekanntesten Touristenorte im ganzen Land, dank des faszinierenden Karstgebirges, welches die Stadt umgibt. Nachdem ich meine Jugendherberge gefunden hatte (ab jetzt war es vorbei mit preiswerten Zimmern, ich musste mich an die Gemeinschaftschlafräume erst mal gewöhnen) ging ich mit ein paar Leuten aus der Herberge chinesisch Essen und dann machten wir noch einen Verdauungsspaziergang durch die hell beleuchteten Straßen. Am nächsten Tag erkundete ich Guilin ein wenig, ein Teil der Stadt ist sehr modern, mit riesigen Straßen im amerikanischen Stil und modernen Häusern. In anderen Teilen der Stadt dominieren aber noch die grauen Wohnblöcke der kommunistischen Ära. Ich war überrascht, wie sauber alles aussah, es gibt sogar Abfalleimer für Recyclingmüll (bisher noch nie in Asien gesehen). Auch gibt man sich Mühe, die Stadt zu begrünen, überall sind neue Bäume entlang der Straßenränder gepflanzt. In Guilin liegen berühmte Parks und Hügel, welche ich mir auch anschaute, aber die chinesischen Reisegruppen gingen mir dabei etwas auf den Nerv. Sie sind groß, sie sind laut (oft mit Mikrofon!), sie drängeln oder stehen im Weg - am schlimmsten ist, sie sind überall dort, wo es Sehenswürdigkeiten gibt. Daran musste ich mich also auch gewöhnen, denn mir war schon zu dem Zeitpunkt klar, dass es in ganz China so weiter gehen würde.
Mein nächster Halt war der kleine Ort Yangshou, etwa 1 1/2 Stunden mit dem Bus von Guilin entfernt. Er ist noch hübscher gelegen, direkt am Li Fluss. In meinem Reiseführer stand geschrieben, dass Yangshou voll von westlichen Touristen ist - war es auch, doch mir ist es gar nicht so aufgefallen, da sie im Gewimmel der chinesischen Touristen untergingen. Die Hauptattraktion in Yangshou war die tägliche Licht und Sound Show, von einem berühmten chinesischen Regisseur konzipiert wird sie zwischen Bergen am Fluss aufgeführt. Bei dieser chinesischen Version des Freilichttheaters gibt es tolle Lichteffekte, es traten 600 Schauspieler an und etwa 4000 Menschen waren im Publikum. In China ist halt alles etwas grösser. Ich fing mich an zu fragen, was für die Olympischen Spiele geplant war, wenn sie so eine Vorführung täglich in der Provinz veranstalteten. An meinem zweiten Tag in Yangshou war das Wetter ziemlich schlecht und so unternahm ich gar nicht viel. Nachmittags ging ich auf den Markt, um ein bisschen Obst zu kaufen. Allerdings fand ich mich in der Fleischabteilung wieder, in der Reihe mit Hundefleisch. Überall hingen frisch gehäutete Hunde an Haken - es war mir etwas unwohl zumute und von da an musste ich, wenn ich im Essen ein Stück unidentifizierbares Fleisch fand, daran denken (mir wurde aber gesagt, die Chinesen essen Hundefleisch nur zu bestimmten Anlässen und das es relativ teuer wäre, somit hoffte ich, dass sie es nicht an die Touristen verschwenden). Nach dem Markterlebnis brauchte ich etwas frische Luft und ging am Fluss entlang spazieren, dort kam ich mit einer Gruppe chinesischer Studentinnen ins Gespräch. Die wollten ihr Englisch an mir üben und wir unterhielten uns für eine ganze Weile, am Ende wurde ich sogar zum Abendessen in einem preiswerten kleinen Lokal eingeladen. Ich war etwas besorgt wegen meiner "Stäbchen-Esstechnik", aber es ging alles gut und wir unterhielten uns nett, ich konnte auch viele Fragen loswerden (nur politische Dinge vermied ich lieber). Die nächsten zwei Tage war das Wetter wunderbar, so unternahm ich ein paar Ausflüge in die Umgebung. Einen Tag zu Fuß und später mit dem Bambusfloß den Fluss entlang, den anderen Tag mit dem Fahrrad. Ich finde die Landschaft dort wirklich faszinierend, diese interessanten Berge zwischen den Reisfeldern, wo die Bauern noch barfuß arbeiten und mit ihrem Wasserbüffel pflügen, führten die Wege durch mehrere alte hübsche Dörfer.
Von Guilin flog ich nach Shanghai (die andere Option wäre eine etwa 36-stuendige Zugfahrt gewesen, wahrscheinlich hätte ich wegen des Maifeiertages nicht einmal ein Ticket bekommen, denn alle wollen irgendwo hin). Die Stadt ist riesig (16 Millionen Einwohner) und bot ein wahres Kontrastprogramm zur ruhigen Umgebung von Yangshou. Ich musste mich erst einmal etwas daran gewöhnen. Das Zentrum von Shanghai ist voller neugebauter Wolkenkratzer, obwohl man manchmal auch noch eine alte Nebenstraße findet, in der Hefeklöße verkauft werden und die Leute ihre Wäsche zum trocknen vor die Häuser hängen. Der Verkehr ist zwar nicht so verrückt wie in Vietnam, aber trotzdem anstrengend, auch die Massen der Fußgänger sind beeindruckend. Es gibt sogar Verkehrspolizisten, deren Aufgabe es ist, das Menschen und Autos bei Rot wirklich anhalten. In Shanghai gibt es entlang des Flussufers auch noch einige alte Kolonialgebäude, aus der Zeit als Teile der Stadt zu England, Frankreich und den USA gehörten. Ansonsten ist das Zentrum mit Shoppingmalls zugebaut. Ich habe selten so viele Gucci Läden auf einen Haufen gesehen. Und es hat mich überrascht, wie viele Leute dort wirklich einkaufen gehen. Das machte mir klar, wie viele reiche Chinesen es hier gibt. Aber auch viele arme. Das ist mir vor allem bei den zahlreichen Müllsammlern aufgefallen, welche in den Tonnen nach Plasteflaschen und Papier suchen (ich nehme an, dass sie das verkaufen können). In den drei Tagen in Shanghai habe ich wenige der richtigen Sehenswürdigkeiten, wie z.B. das Shanghai Museum gesehen, denn überall waren wegen des Feiertags Massen von Leuten, die in langen Schlangen auf Eintritt warteten. Somit bin ich dann einfach kreuz und quer durch das Stadtzentrum geschlendert. Vor allem gefielen mir die Parks, wo man die alten Leute bei Tai Chi beobachten konnte und auch mal weg von dem ganzen Trubel auf den Straßen kam.

The international train from Hanoi to China got to the border just after midnight and before we crossed over, the Chinese border guards came on board and started asking questions. They also picked me to search my backpack thoroughly - they even looked inside my wallet and found some small pieces of paper I have probably been carrying since India and wanted to know what was written on them. After a lot more questioning they were finally satisfied that I was not a journalist (bad) and let me in. The next afternoon we got off the train in the city of Guilin, in the Southwest of China. It's one of China's most famous tourist sights thanks to the beautiful landscape surrounding it - weirdly formed karst mountains and some rivers flowing through them. After settling down in the Youth Hostel (it's dorm rooms from now on, which is taking some getting used to) a group of us went out for dinner and an evening stroll along the brightly lit streets. The next day I walked around Guilin which is in parts a very modern town with American style wide boulevards and modern buildings but in other parts the communist era grey buildings dominate. I was surprised by how clean the town is, there are even recycling bins everywhere (unseen in Asia so far). And they are making an effort to get the town greener, a lot of trees have been newly planted along the streets. Guilin has a few famous parks and hills which I enjoyed visiting, but the Chinese tour groups got slightly on my nerves - they are big, noisy (guides with microfone speakers!), they are always in the way and also quite pushy. The worst part was that they were everywhere designated a tourist site. So this I have to get used to, because they will be all over China. My next stop was the small town of Yangshou, only 1 1/2 hours by bus from Guilin. It's situated even more scenic right on the Li River. In my travel guide it sounds like Yangshou is full of western backpackers - it is but I hardly noticed them in the sea of Chineses tourists. One of Yangshou's top attractions is the daily sound and light show amidst hills on the river which I went to see on a Saturday evening. This Chinese version of a nature theatre had amazing light effects, 600 life actors and about 4000 people in the audience - everything is on a different scale here. If they do something like this in the province on a daily basis, I wonder what is planned for the Olympic games opening ceremony. On my 2nd day in Yangshou the weather was pretty miserable, so I didn't do too much. I went for a stroll at the local market, looking for some fruit to buy. Unfortunately I found myself in the meat sections - in one of the rows where they sold dog meat. Everywhere freshly skinned dogsd hanging on hooks - it made me a bit uncomfortable and now I always have to think of it when I have some sort of unidentifiable meat on my plate (even though I was told they only eat it for special occasions and that it's pretty expensive, so I hope they don't waste it on a tourist). After that I needed some fresh air and strolled a little along the river, where I got chatting with some Chineses students. They wanted to practice their English and so we talked for quite a while, they even ended up inviting me for dinner in a simple restaurant. I was a bit worried on how my "chopstick performance" would be, but I think I did ok. It was a very nice evening and interesting to talk to them, as I got to ask many questions (even though avoiding political stuff). The next two days the weather was great and so I ventured into the countryside, one day on foot and later by bamboo raft down the river, the other day I rented a bike. It was very beautiful to see all those strange hill formations amidst rice fields where farmers still work barefoot and plough with their water buffallos, also there were some pretty old villages to visit. Next I took a flight to Shanghai (the other option was a 36 hr train ride and that was probably sold out due to the May 1st holiday where everybody in China hits the road). Shanghai was a bit of a shock after the quaint countryside. It's a huge city (16 Million) and crowded. The centre is full of brand new skyscrapers, even though sometimes it's possible to find a side street where people still sell dumplings and dry their washing out in front. The traffic was not as crazy as in Vietnam, but nevertheless it is very busy, also with pedestrians - they even have traffic guards who make sure people/cars stop when lights turn red. Shanghai has a number of grand colonial buildings along the riverside, going back to the time when parts of it belonged to Britain, France and the U.S. Otherwise the centre is given over to shopping malls with huge advertising and expensive shops - rarely have I seen so many Gucci shops clustered so close together. And I was surprised to see how many people actually buy there, making me realize that there is a large number of very wealthy Chinese here. But there are lots of poor, too. Most notable was the competition of people going through rubbish bins for plastic bottles (I guess they can sell them) and card boards paper. In the three days I spent in Shanghai I didn't really get to see any of the big sites as due to the holiday everything was extremly crowded with long lines of tourists waiting outside. So I did a lot of walking around, most I enjoyed the parks where it was fun to watch the old people do Tai Chi.

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