Wednesday, October 31, 2007

Von Kalkutta an den Strand


Als erstes fiel mir in Kalkutta auf, dass die Rikschas noch von Männern gezogen werden. Oftmals zogen sie ganze Familien hinter sich her, viele machten ihre Arbeit ohne Schuhe. Es ist eines dieser typischen Bilder von Indiens Armen, und in Kalkutta bestätigten sich die Vorurteile dann mal wieder. Abgesehen von den Rikschamännern hatte ich aber eigentlich einen eher positiven Eindruck von Kalkutta, doch ich war auch nur im Zentrum und habe nicht soviel anderes gesehen. Die Engländer gründeten Kalkutta und machten es zur zweit-wichtigsten Stadt ihres Empires, gleich nach London. Somit ist die Stadt ziemlich europäisch geprägt, mit weiten Boulevards, einem großen Park und vielen Villen, die heute allerding einen gewissen "DDR-Charme" haben, weil sie über Jahrzehnte vernachlässigt wurden. Von den vielen Problemen, für die Kalkutta so "berühmt" ist, sah ich wenig. Mir fielen eher die vielen Menschen auf, die einkauften und in den schönen Restaurants essen gingen. Aber ich traf einige Ausländer, die als Freiwillige für den Mutter Teresa Orden arbeiten, und die haben mir viele Geschichten über Straßenkinder und Behinderte erzählt, somit weiß ich, dass in der Stadt noch eine andere Realität herrscht.
Von Kalkutta fuhr ich mit dem Zug nach Süden, nach Bhupaneshwar, der Hauptstadt des Bundesstaats Orissa. Dort war ich etwas faul und beschloss, eine Stadtrundfahrt mitzumachen. So fand ich mich in einem Bus mit 34 indischen Touristen und war den ganzen Tag dabei, Fragen zu beantworten. Meistens waren es die gleichen: wo ich herkomme, was ich arbeite und wie mir Indien gefällt. Einmal wurde ich aber auch gefragt, ob ich verheiratet oder Jungfrau sei (was soll es dazwischen wohl noch geben…), die Antwort fiel diplomatisch aus… Die Tour selbst war etwas anders als erwartet, sie war eben eher an den Interessen indischer Touristen orientiert. Wir hatten nur wenig Zeit für die berühmten Tempel, weil wir 3 Stunden im Zoo verbrachten. Naja, dort gab es viele Tiger und Vögel, aber am lustigsten waren die stinknormalen indischen Affen, die frei herumliefen - manche hatten sich auch in den Hirschkäfig geschlichen.
Am nächsten Tag fuhr ich an den Strand nach Puri, wo ich für ein paar Tage blieb. In meinem Reiseführer stand schon, dass der Strand mitunter sehr dreckig ist, das war er dann auch, vor allem entlang des Fischerdorfes, wo die Menschen den Strand als open-air Toilette benutzen, was nicht sehr einladend war. Zum Glück war der Strand in der anderen Richtung sauberer, dort waren auch die meisten Touristen, zumeist indische. Es war interessant zu beobachten, wie sie ihre Zeit am Strand verbringen. Niemand liegt auf Handtüchern und sonnt sich, alle sitzen voll angezogen im Strand und sogar zum schwimmen wird sich nicht ausgezogen. Mir war dann auch nicht danach, mich im Bikini in der Sonne zu aalen, so machte ich einige Strandspaziergänge, las und habe unentwegt gegessen: Fisch, Garnelen und frische Kokosnuss. Einen Tag fuhr ich zum Sonnentempel nach Konarak, wieder ein Weltkulturerbe und schön anzusehen. Ansonsten war ich ziemlich faul, ich hatte ja eine lange Zugfahrt zurück nach Varanasi vor mir, von wo aus es dann nach Nepal weiter ging.



The first thing I noticed in Calcutta was that rikshaws are still human-drawn. Oftentimes the rikshaw men pull whole families, some of them doing their work barefoot. Welcome to Calcutta! Apart from the rikshaws my impression of the city was actually quite positive but then again, I only stayed in the centre and didn't really see that much else. The English founded Calcutta and made it the 2nd most important city in their empire after London. The centre is quite European with large boulevards, a big park and many villas (most of them crumbling by now after decades of neglect). I noticed little of the many problems that Calcutta is "famous" for, instead I saw many people go shopping and dining in nice restaurants. But I met quite a few volunteers who work for the Mother Teresa charities and they were telling me all sorts of stories about their work with street children and disabled people, so I know there is another reality in this city. From Calcutta I took the train south to Bhupaneshwar, the state capital of Orissa. There I felt lazy and joined an organized tour of the city and so found myself on a bus with 34 Indian tourists and had to answer their many questions all day - mainly the same ones concerning where am I from, what do I work and how I like India. I was also asked whether I am married or a virgin - to make the explanation easier I gave myself a husband working in Calcutta... didn't want to confuse them. The tour by itself was slightly different than expected, we only had little time for the famous ancient temples because we spent 3 hours at the zoo. Well, they had lots of tigers and birds but most amusing were the common Indian monkeys which were just running around like anywhere in India, some making their way into the deer cage. Next day I went to the beach at Puri where I stayed for a couple of days. In my travel guide it was written that the beach at times can be very dirty - it was, especially along the fishermen's village. The villagers use the beach as open-air toilet, not very inviting at all. Fortunately there was a cleaner beach in the other directions where all the tourists are, mainly Indian tourists. It was interesting to see how they spent time at the beach, nobody is sun-bathing on beach towels, instead they were sitting fully clothed in the sand and even went swimming with their cloths. I didn't really feel like laying there in bikini so I went for lots of walks on the beach, reading and eating lots of fish, prawns and fresh coconuts. One day I went to the nearby sun temple of Konarak, another world heritage site but otherwise I pretty much did nothing. Not a bad way to spent a few days. Now I will make the long journey to Nepal where I will meet my sister and her boyfriend for their 3 week holiday.

Thursday, October 18, 2007

Tee & Berge

Darjeeling, auf 2000m Höhe gelegen, ist ein sehr beliebter Urlaubsort und bekannt für seine tollen Ausblicke. In der Ferne kann man Mt. Everest sehen und außerdem Kangchenjunga, den dritthöchsten Berg der Welt. Jedenfalls hatte man mir das so erzählt. Alles was ich 5 Tage lang sah, war grauer Himmel und Nebel. Wenigstens war mir nicht langweilig, weil ich eine nette Schweizerin kennengelernt hatte; wir verbrachten die nächsten 10 Tage zusammen. Natürlich wollten wir mehr über den berühmten Darjeeling Tee wissen, aber nachdem wir erfuhren, dass die Plantagen für Besucher geschlossen waren, blieb uns nur der Teeladen. Zum Glück war der Besitzer sehr freundlich und erklärte uns so einiges über den Tee und die verschiedenen Qualitätsstufen (sowie Preise...). Den Darjeelingtee, den wir in Europa in Teebeuteln kaufen können, ist unterste Qualität und hier für etwa 80 Cent / 100g zu kaufen. Der beste Tee hingegen kostet etwa 12 Euro / 100g und wird in Europa für das 5-fache verkauft, wenn man ihn überhaupt finden kann. Natürlich mussten wir den teuren Tee mal probieren und für 1.50 Euro pro Tasse war das schon Luxus, vor allem wenn man bedenkt, dass ich für das Geld sonst ein ganzes Essen bekam. Hat aber super geschmeckt! Interessanterweise mögen die Inder den Darjeelingtee gar nicht so, sie bevorzugen den stärkeren Assamtee, somit werden 80% exportiert. Außer Tee trinken sind wir auch spazieren gewesen und machten eine Ausfahrt mit der Schmalspurbahn. Die gehört zwar zum Weltkulturerbe, war aber eher langweilig, vor allem weil es bei dem Wetter keine Aussicht gab. So besuchten wir noch den Zoo, dort sahen einen der seltenen Schneeleoparden, außerdem einen Himalaya Braunbär und einen Roten Panda. Der Panda war echt süß und wir hatten die Hoffnung, ihn auch in freier Natur sehen zu können, denn er ist das Nationaltier von Sikkim, welches unser nächstes Ziel war. Naja, den Panda haben wir nicht gesehen, aber die Natur dort war echt toll, somit waren wir zufrieden.
Sikkim ist ein kleiner Bergstaat zwischen Nepal, China und Bhutan gelegen und bis in die 70er Jahre hinein war es ein eigenständiges Königreich, bevor es von Indien annektiert wurde, nicht zuletzt, weil es ein gutes Puffer zwischen Indien und China bildet. Sikkim ist wohl der sauberste aller indischer Staaten. Plastikbeutel sind gesetzlich verboten, es liegt kein Müll herum, es gibt keine Kühe auf der Straße, die Bauerhöfe und Dörfer sehen ziemlich ordentlich aus und sogar die Hunde scheinen gesünder zu sein. Die meisten Menschen sind Buddhisten und sehen auch wieder eher asiatisch aus, man hatte das Gefühl, in einem anderen Land zu sein. Wir verbrachten ein paar Tage im Westen von Sikkim und hatten endlich tolle Blicke auf den Kangchenjunga, direkt vor unserem Hotelzimmer, über 8500m hoch. Wir machten auch eine Tageswanderung zu einem heiligen See und besuchten ein die Klöster in der Umgebung. Die Wege gingen zumeist durch den Wald und in niederen Lagen an Reisterassen vorbei. Das einzig Negative waren die Blutegel, zwei hatten sich auch an meinem Fuß festgebissen. Ansonsten gefiel es mir aber super und ich war fast etwas traurig darüber, nach Kalkutta weiterzufahren.



At an altitude of 2000m Darjeeling is a very popular hill station and well-known for it's grand views. One can see Mt. Everest in the distance and also Kanchenjunga, the 3rd highest mountain in the world. A least that is what I have been told, all I saw for 5 days was grey sky or fog... At least I wasn't bored as I met a really nice Swiss girl and we travelled together for the next 10 days. Obviously we wanted to know more about the famous Darjeeling tea but after discovering that the showcase Tea estate was closed for renovation, we ended up at a Tea store. Luckily the owner was quite chatty, so he answered all our questions and explained a little bit about the tea and it's different qualities (and prices). The Darjeeling tea we buy in teabags in Europe is the lowest quality and here it costs about 50p/ 100g. On the other hand there is the highest quality tea which costs about Pound 7.50 / 100g - in Europe this would sell for about five-times this price (if you can find it!). Of course we had to have a cup of this one, for Pound 1 per cup a treat considering that's what I usually pay for dinner. But really good! Interestingly the Indians don't really like Darjeeling Tea, they prefer the stronger Assam tea so 80% is exported. Apart from drinking tea we took a few nice walks around town, went on a joy ride on the toy train (despite being a World Heritage train it was very boring, especially because there was no view) and visited the zoo which was fun. We saw the rare Snow Leopard, a Himalayan Brown Bear and a Red Panda. The Panda was really cute and we had a little hope we would see it in nature, too, as it is the National Animal of Sikkim, our next destination. We didn't see the Panda but nature wise it was so beautiful that we didn't mind. Sikkim is a small mountain state between Nepal, China and Bhutan and until the 1970's it was actually an independent kingdom before it was annexed by India (last but not least as a buffer state between India and China). Sikkim must be the cleanest of all of India's states. Not only are Plastic bags banned but there is no rubbish laying around, no cows on the roads, the farmhouses and villages look fairly orderly and even the dogs look healthier. The majority of people are Buddhist and they look more central asian - it really feels like a different country. We spent a few days in the west of Sikkim and finally had the great views of Kanchenjunga, right in front of us more than 8500m high. We did a day hike to a holy lake and visited some monastries. The paths go through forest or at lower altitude past rice terraces and it's very quiet. The only negative thing were the leeches along the way, I found two attached to my feet... But otherwise we really enjoyed it and I was a little sad to leave for Calcutta...

Friday, October 5, 2007

Varanasi, heilige Stadt am Ganges

Fünf Tage verbrachte ich in Varanasi, der heiligen Stadt am Ganges, wo man Erleuchtung finden kann und die Leute zum Sterben herkommen. Hindus glauben, dass wenn sie hier sterben und ihre Asche in den Ganges gestreut wird, sie den Kreis der Wiedergeburt durchbrechen können und Nirwana erreichen - eine gute Aussicht für viele.
Ich fand die Altstadt faszinierend und erkundete sie in mehreren Streifzügen durch die engen Gassen oder entlang des Ganges. Seit langem konnte ich wieder einmal herum laufen, ohne ständig Abgase einzuatmen. Die Gassen waren nämlich für Autos und Autorikschas zu eng. Gedränge gab es aber trotzdem: Fahrräder und Motorräder, Kinder, Pilger, Ziegen und Kühe, Bettler, Lastenträger, Leichenprozessionen und viele Hunde zwängten sich durch die Straßen. Leider war es auch hier, wie in anderen indischen Städten, sehr dreckig; Abfall und Kuhfladen hinderten mich daran, zu unbekümmert herumzuschlendern, und die Gerüche waren zum Teil übel. In den Läden wird alles verkauft, von Seide über die komplette Pilger-Opfergabenausstattung (z.B. Blumen, Puffreis, Kokosnuss) hin zu Eimern und alten Nähmaschinen. Der Ganges mit seinen Ghats ist natürlich die Hauptattraktion - heilig mag er sein, aber er ist verdreckt. An einem Morgen machten wir in einem kleinen Fischerboot einen Ausflug entlang der Ghats und konnten so die Unmengen von Badenden vom Fluss aus beobachten (angeblich ist ein Flußbad reinigend für Seele und Körper, aber ich fragte mich, ob viele Leute von dem verschmutzten Wasser krank werden). Wir fuhren auch am Kremationsghat vorbei, wo öffentlich die Leichen verbrannt werden, für mich ein etwas unbehaglicher Anblick. Bei Spaziergängen am Fluss entlang gab es viel zu beobachten: Waschmänner, die Kleidung auf Steine klopfen um sie zu reinigen, und Jungen, die Wasserbüffel waschen oder nur einfach im Wasser planschen. Am frühen Morgen und Abend finden am Hauptghat Zeremonien statt, Brahmanen singen und schwenken Gefäße mit Weihrauch, die Leute klatschen rhythmisch und Musik spielt. Dazwischen wimmelte es mit Kindern, die Postkarten verkauften, Frauen, die Blumen und Kerzen als Opfergaben für den Fluss anboten und Bettler, die ihre Hände ausstreckten. Es war einfach, die anderen Touristen zu vergessen, aber die vielen Schilder für Hotels und Restaurants erinnerten mich schnell wieder daran. Ich muss gestehen, dass ich hier, in der indischsten Stadt Indiens, zum typischen Backpacker geworden bin: auf den Speisekarten widmete ich Currys und Reis nur einen kurzen Blick um mich dann zwischen Spagetti und Lasagne zu entscheiden. Außerdem gab es eine echt deutsche Bäckerei, die russischen Zupfkuchen im Angebot hatte - gefährlich. Leute, die dahin mitkommen wollten, waren einfach zu finden, denn in meinem Hotel hatte ich viele nette Leute kennengerlernt, mit denen es sich schön schwatzen lies. Überhaupt war ich mit meiner Hotelwahl sehr zufrieden. Von meinem Zimmer aus hatte ich einen wunderbaren Blick auf den Fluss und die aufgehende Sonne (um 5.45 Uhr) und von der Dachterrasse konnte man alle Nachbardächer überschauen. Vor allem am späten Nachmittag spielte sich das Leben hier oben ab: Drachen wurden steigen gelassen, Kinder rannten herum, Frauen waren am Fladenbrot backen, die Ziegen meckerten (ja, auf dem Dach!), gezüchtete Tauben wurden in Kreisen fliegen gelassen, auf einem Dach wurde sogar Cricket gespielt und auf mehreren anderen waren die Männer immer wieder damit beschäftigt, Affen zu verjagen. Die waren hier nämlich auch wieder zahlreich vertreten, zum Teil in großen Gruppen mit Kindern und lustig zu beobachten. Man konnte wirklich Stunden mit zuschauen verbringen während die Sonne unterging - dank der starken Luftverschmutzung im glühendsten rot wie ich es selten gesehen habe.







Since 5 days I have been in Varanasi, holy city on the Ganges where one can find enlightenment and people come to die. Hindus believe that if they die here and their ashes are thrown into the river, they can break the cycle of re-birth and reach Nirvana - seems to be a good prospect to them. I think the old city is fascinating and have enjoyed exploring it the last few days. For the first time in an Indian city I am able to walk around without having to breath in all the fumes from cars or autorikshaws. It's still crowded, though: cycles and motorbikes, children, pilgrims, goats and cows, porters, beggars, funeral processions and many dogs still push themselves through. Unfortunately, like most Indian cities it's also dirty, rubbish and cow shit prevent me from strolling carelessly and smells can sometimes be disgusting. In the shops everything is on sale, from silk to everything a pilgrim needs for offerings (e.g. flowers, rice crispis and coconut), from pots to ancient sewing machines. The Ganges with its Ghats is of course the main attraction - holy it may be but dirty it is. On one of the mornings we hired a little fishing boat to take us along the ghats and to get a river view of all those bathing in this polluted water (it's supposed to be cleansing but I wonder if it makes people sick instead). We also paddled past the burning ghat, the public cremation ground - for me a bit strange to see. Later I went for a walk along the ghats and saw that it's also used by laundry men who beat clothes on stones and boys who wash water buffaloes or simply play in the water. In the early mornings and evenings ceremonies take place on the main ghat. Brahmins sing, swing pots with burning incense, people clap and music plays and in between children sell postcards, women flowers and candles to offer to the river and beggars hold out their hands. It's easy to forget about the other tourists but all the signs for hotels and restaurant remind me quickly. I must admit that here, in this very Indian city, I have turned into a typical backpacker: on the menus I briefly glance at curries and rice to then make decisions between spaghetti or lasagna. Also there is a real German bakery which sells my favourite cake - dangerous. But very social, at my hotel I met lots of nice people who it's fun talking to. My hotel was a good choice, from my window I have Ganges view and can see the sunrise (at 5.45!). From the rooftop cafe there is a great view across all the other rooftops, especially in the later afternoon people live up here. Kites are being flown, children run around, women bake chapatis, goats are noisy (yes, they are on the roof!), tamed pigeons fly conducted in circles, on one roof their is a cricket game being played and on many others men are busy trying to chase away the monkeys. They are again very numerous, often with children and its amusing to watch them. I could spent hours just observing everything while the sun goes down - thanks to the air pollution in the brightest red I have seen. Soon it's out of the cities and back to the mountains, this time to have some tea in Darjeeling.