wohl es für sie sicherlich ganz schön unbequem war, hatte sie gute Laune und sangen hin und wieder ein Lied, was mir natürlich gefiel. Auch lernte ich lustige Leute im Bus kennen und verbrachte dann die nächsten vier Tage in Manali mit einem netten Münchner Paar. Wir wohnten stillvoll in einer Kolonialvilla (zugegebener Maßen ein klein wenig verfallen) mit Holzbalkon und tollem Blick. Wir beschlossen, eine kulinarische Tour durch Manali zu machen: frische Bachforelle, südindische Masala Dosas (wie knusprige Crêpes mit einer Kartoffelbreifüllung), tibetische Nudelsuppe und sogar Pizza. Zwischen der ganzen Esserei rafften wir uns aber auch immer wieder auf und unternahmen etwas. So sahen wir einige Dörfer in der Umgebung. An einem Tag hatten wir einen lustigen und neugieren Taxifahrer, der es äußerlich verwunderlich fand, dass wir in Deutschland Schwein essen… Da konnte man mal sehen, dass auch die Inder denken, dass Ausländer komische Sitten haben. Eines der Dörfer war ziemlich “verhippiet” (die Hippies wussten schon, warum sie in diese Gegend kamen, an jeder Ecke wuchs nämlich wildes Marihuana), aber es gab einen alten Tempel mit heißer Quelle und ein Wasserfall war auch in der Nähe. In einem anderen Dorf hatten wir Glück und kamen gerade rechtzeitig zu einem Hindufestival – die Dörfler (und wir) prozessierten zum Tempel hinauf. Ich habe zwar noch immer keine Ahnung, was gefeiert wurde, aber es war schön anzusehen, denn alle hatten ihre guten Sachen angezogen.
Nach ein paar Tagen fuhr ich mit dem Nachtbus nach Dharmshala, dem zweit-regenreichsten Ort Indiens, wo der Dalai Lama wohnt und auch viele Exil-Tibeter. Es ist ein ziemlich kleiner Ort und die meisten Leute sind aus Tibet. Überall hingen Gebetsflaggen und es gab auch einige neuere tibetische Tempel und Klöster. Ich schaute mir die Residenz des Dalai Lama’s an und später das Tibetische Museum. Die Ausstellung war interessant, es ging um den Freiheitskampf der Tibeter und die Flucht von tausenden von Tibetern nach Indien. Den nächsten Tag hörte ich dann sogar eine persönliche Geschichte von meinem Kochlehrer (ich habe gelernt, wie man Momo’s kocht, da ich von denen nicht genug bekommen konnte) gehört. Anfang der 90iger Jahre, als er 22 war, hat er seine Familie verlassen und ist für einen Monat über schneebedeckte Pässe bis nach Nepal gelaufen. Seine Hauptgründe waren, dass er seine Religion ausüben und in Freiheit leben wollte. Für mehrere Jahre hatte er gar keinen Kontakt mit seiner Familie, da Briefe nicht zugestellt wurden, aber jetzt gibt’s zum Glück Telefon. Er kann seine Eltern weder besuchen noch zurückgehen, denn sonst würde er ins Gefängnis kommen. Ich habe ja so ein bisschen über Tibet gewusst, mir war aber nicht klar, wie die Kultur von den Chinesen systematisch zerstört wird. Über 600 Klöster wurden zerstört, es gibt heute durch eine aggressive Bevölkerungspolitik mehr Chinesen als Tibeter in Tibet und der 15. Dalai Lama (der Nachfolger vom jetzigen Dalai Lama) wurde im Alter von 8 Jahren verschleppt und seither nicht gesehen. Mich überrascht, dass viele einflussreiche Exil-Tibeter dennoch glauben, dass sie in der Zukunft in ein friedvolles, harmonisches Tibet zurück kehren werden. Das ist zumindest die Vision des Dalai Lama’s – ich bewundere dieses positive Denken, nachdem doch soviel passiert ist. Aber er ist ein sehr beeindruckender Mensch. In Dharmshala wahnsinnig viele Touristen, die nur nach Dharmshala kommen, weil sie hoffen, hier einmal den Dalai Lama sehen zu können. Manche bleiben richtig lange und studieren Buddhismus oder besuchen Meditationskurse. Ich bin da wohl nicht spirituell genug, ich ging lieber spazieren und genoss die schöne Landschaft – überall Wald, und wenn die Wolken aufzogen, sah es richtig mystisch aus. Manchmal kamen, wenn auch nur für kurze Zeit, die Berggipfel zum Vorschein. Es regnete allerding wirklich äußerst viel, so dass ich Zeit hatte, um zum lesen, Momo’s zu essen und mit anderen Touristen zu reden. Auch informierte ich mich etwas über mein nächstes Ziel, Amritsar. Dort wollte ich den Goldenen Tempel der Sikhs sehen, worauf ich mich schon sehr freute. Nur wegen der bevorstehende Hitze im Tiefland war ich etwas skeptisch, denn in Dharmshala brauchte ich sogar meine Fließjacke.After trekking I spent a few more days in Leh, actually embarking on a mini 1 ½ day trek with a fun gay couple. On the way we visited 2 monasteries, marveling at the fantastic wall paintings (some over 700 years old) and also statues of Buddha and other Buddhist figures like the 11headed Avalokiteshvar who has 100 arms (by the way he is incarnated in the Dalai Lama) who is the deity of compassion. Back in Leh again I had more time to sit in cafes and read and after finishing book number 2 it was time to move on. Actually time to move back – there are only two roads out of Leh and as I didn’t want to go to Kashmir (I promised Mummy) I went back to Manali. This time by bus the journey wasn’t exactly pleasant but thanks to the travel pills (once again drugged) bearable. Also I met fun people on the way and spent the next 4 days in Manali with a very nice couple from Munich. Once more we were lazing around, this time in style at our own colonial villa with great views from the wooden balcony. We also went on a culinary tour of Manali, eating fresh trout from local streams, South Indian Masala Dosa’s (like crispy crepes with mashed potato filling), Tibetan noodle soup and even pizza. We occasionally got up to actually do something and went to visit some nearby villages. One day we had a very entertaining taxi driver who found it hilarious that we eat pig in Germany, he could not stop laughing… One of the villages was pretty hippified (they knew why they went there – on every street corner grows wild marihuana) but has an old temple with hot springs and a nice waterfall nearby. In another village we caught a local festival – the villagers (and us) had a procession going to the temple. I have no idea what they celebrated and we couldn’t find out but it was fun to watch as most people were dressed in their best. After a few days it was time to move on again and now I am in Dharamasala, the 2nd wettest place in India, home of the Dalai Lama and the Tibetan Government in exile. It’s a small town but most people are from Tibet and yet again there are prayer flags everywhere. I went to see the Dalai Lama Residence and the Tibetan Museum which was really interesting, talking about the struggle for freedom and also the escape of thousands of Tibetans to India. Next day I heard a very personal story on the subject from my cooking teacher ( I learnt how to cook Momo’s as I can’t get enough of them…) In the early 90’s at the age of 22 he left his family and walked for 1 month across snow-covered mountain passes to reach India via Nepal. His main reasons were that he wanted to be able to practice Buddhism and to live in freedom. For years he did not have contact with his family as the letters were not delivered but nowadays they finally have phone. He can’t visit or go back as he would be imprisoned. I guess I knew a bit about Tibet but didn’t realize to which extend the culture is being wiped out by the Chinese. Over 600 monasteries have been destroyed, Chinese outnumber Tibetans due to an aggressive re-settlement scheme and the 15th Dalai Lama (to success the current one) was obducted at the age of 8 and has not been seen since. What surprises me is that many influential exiled Tibetans believe that they will be returning to Tibet to live in a peaceful, harmonious country in the future. This seems to come from the vision the Dalai Lama has for Tibet – I admire such positive thinking after all that has happened. But he is a very enigmatic man. There are tons of tourists here who only come to Dharamasala because it is his home. Some stay for a long time, studying Buddhism or taking meditation classes. I guess I am not spiritual to do any of this, I rather enjoy the scenery which is beautiful – forest everywhere, when the clouds move in it looks very mystical and then, all the sudden, you can glimpse one of the mountain peaks. It does rain a lot, though, giving me more time to read, eat momo’s and socialize with fellow travelers. In two day I will leave the mountains behind and go to Amritsar to see the Golden Temple of the Sikhs. I am looking forward but am a bit unsure about the heat down there… here I actually need my sweater.
1 comment:
Hallo Sandra,
schön, dass Du immer mal wieder von Deinen Erlebnissen schreibst und dass Du nun eine schnellere Internetverbindung gefunden hast. Ich habe mir nämlich gerade mit großem Interesse die Bildergalierie "Shimla - Manali - Leh" angesehen, ueber die Deine Eindrücke und Schilderungen natürlich noch besser nachvollziehbar sind.
Es ist schon erstaunlich, wie völlig karg, felsig und unbelebt die Landschaft erscheint, in der so manche Ortschaft liegt – speziell bei Leh hatte ich diesen Eindruck. Von was leben und ernähren sich die Menschen so hoch oben im Gebirge eigentlich? Sicherlich etwas Viehhaltung, aber gibt es auch Landwirtschaft?
Kannst Du es eigentlich richtig geniessen, zum Teil auch viel unverplante Zeit zum Lesen, Spazieren gehen, Menschen kennen lernen unw. zu haben?
Ein wenig Muessiggang, im besten Sinne des Wortes, und Zeit für Unvorhergesehenes und spontane Ideen wünsche ich mir momentan auch sehr. Die Arbeit ist immer viel und die Wegstrecke frueh und abends lässt einfach nicht allzu viel Freiraum für Privates und z.B. zum ausführlicheren Antworten auf Deine Berichte. Stattdessen verfliegt die Zeit, und die Wochenenden erscheinen so kurz, dass wir uns immer noch einen zweiten Sonntag wuenschen…
Weiterhin alles Gute, ganz viel Spass und eine angenehme Fahrt nach Amritsar!
Ich hoffe natürlich, dass die Temperaturen im ertraeglichen Rahmen bleiben! Vielleicht koenntest Du auch einen Teil davon nach Deutschland umleiten? :-) Hier ist es naemlich seit ueber einer Woche schon richtig herbstlich kalt, grau und oft regnerisch!
Bis demnaechst,
Uwe
PS: Übrigens, wie stellen sich eigentlich Umlaute dar, wenn du Antworten erhältst? Funktioniert das, oder ist es besser, darauf zu verzichten?
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