Saturday, August 25, 2007

Ladakisches Lebensgefühl

Von Leh aus unternahm ich in Gesellschaft eines älteren Holländers eine vier-tägige Wanderung. Geführt von einer jungen einheimischen Frau starteten wir am Indus. Von dort aus ging es zuerst durch eine Steinwüste, dann weiter durch tolle Schluchten und schließlich, bevor es schon wieder Richtung Leh ging, über das Kanda La, einen 4900m hohen Pass. Das Laufen war eigentlich nicht schwer, aber wegen der Höhe und auch Wärme war ich langsamer als sonst. Es gab keine größeren Probleme, nur am ersten Tag war mir etwas schwindlig, weil ich die Wärme und Trockenheit unterschätzt hatte und zudem zu wenig getrunken hatte. Am Pass liehen wir uns einen Esel für das Gepäck aus, somit war es nicht weiter schlimm und an die Höhe hatte ich mich mittlerweile auch einigermaßen gewöhnt.
Wir übernachteten in traditionellen ladakhischen Dörfern, manche sehr klein mit nur 1-2 Häusern. Mir hat das sehr gefallen, denn so konnte ich zumindest einen kleinen Eindruck von der Lebensweise der Menschen in Ladakh bekommen. In der Nähe von Dörfern fallen einem immer zuerst die Stupas auf, die wie riesige Schachfiguren aussehend Symbole des buddhistischen Glaubens sind. Man sollte immer im Uhrzeigersinn um sie herum gehen, sonst werden die bösen Geister nicht besänftigt. Die Häuser sind von Feldern umgeben und sind 2-3 Stockwerke hoch gebaut. Ihren Aufbau fand ich interessant: Ganz unten ist der Stall und im ersten Stockwerk die Küche und einige Zimmer. Wenn es ein zweites Stockwerg gibt, befinden sich dort noch mehr Zimmer um eine Dachterrasse angeordnet. Die Küche bildet das Zentrum des Hauses und ist bei weitem das größte Zimmer. Es gibt keine Stühle oder Tische, sondern Kissen und kleine Bänke, auf die das Essen gestellt wird. Die alten Öfen sind sehr schön, riesig und reich verziert, sie werden mit Kuhfladen beheizt. Die Decken sind aus Holz und vom Rauch schwarz, über dem Ofen ist ein Loch in der Decke, so dass der Rauch heraus und die Luft herein kann. Obwohl die Küche Fester hat, ist sie doch zumeist ein sehr dunkler Raum. zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass viele Familien Solarenergie nutzen und somit war es nachts in den Räumen sogar heller.
Endlich hatte ich nun auch die Chance, landestypisches Essen zu probieren, frisch für uns gekocht. In Leh hatte es zwar vom israelischen Schnitzel über Pizza und Nutella Crêpes alles gegeben, aber die einheimischen Sachen waren nicht zu finden. Die Speise erinnerte mich an Spätzle, mit frischem Gartengemüse serviert und wirklich sehr lecker. Heutzutage kaufen die meiste Familien allerdings zusätzliche Lebensmittel, somit gibt es auch Reis und Linsen, aus Indien eingeführte Produkte, die in Ladakh nicht wachsen. Zum Frühstück gab es Chapatis, dünne Fladenbrote - von denen hatte ich vorerst genug. Zum Essen wird immer viel Tee serviert, für uns gab es schwarzen Tee, aber die Familien tranken Buttertee. Das ist grüner Tee mit viel Salz und viel Butter - nicht für meinen Gaumen geeignet. Zumeist bekamen wir Tee gleich nach unser Ankunft auf dem Zimmer serviert. Die Schlafzimmer hatten ebenfalls keine Stühle, sonder Matratzen - Sitzgelegenheiten am Tag, Betten bei Nacht, einfach aber bequem. Sehr interessant fand ich auch die Toiletten. Sie befinden sich im ersten oder zweiten Stock und sind nur ein Loch im Boden, alles fällt in den Stall hinunter. Wenn man fertigt ist, schüttet man mit einer Schaufel etwas Kuhmist-Erde Gemisch nach - es ist eigentlich recht hygienisch und stinkt überhaupt nicht. Im nächsten Frühjahr werden dann damit die Felder gedüngt. Da gerade Erntesaison war, verbrachten die Familien den Tag auf dem Feld, samt Kind und Kegel, auch alte Leute gehen mit. Manchmal gibt es keine Männer, weil viele als Wander- oder Ponyführer arbeiten. Mir wurde gesagt, dass fast alle Feste in Ladakh im Winter stattfinden, weil es da für die Familien nicht soviel Arbeit gibt. Alles in allem fand ich die Menschen dieser Gegend sehr freundlich und hatte das Gefühl, dass sie einen ausgeprägten Familiensinn und Traditionsbewusstsein haben. Auch wenn ihr Leben einfach ist, scheinen sie zufrieden zu sein und haben viel Spaß.
Nach dem Wandern verbrachte ich zwei Tage in Leh und dann ging es gleich noch einmal zum wandern, zusammen mit zwei Berlinern und einem ladakischen Führer. Dieses Mal war die Wanderung allerdings etwas kürzer, nämlich nur 1 ½ -Tage. Unterwegs besuchten wir zwei Klöster, in denen wir die alten Wandmalereien und Statuen bestaunten, von denen viele schon mehr als 700 Jahre alt waren.


I'm back in Leh after a few days trekking through some villages where there are no roads, which was very interesting. It was me, our guide (a young Ladakhi woman) and Dutchman (funny but a little strange). The hike started a outside Leh, went through rock dessert, some amazing canyons and over Kanda La, a 4900m high pass. The walking was ok but due to the altitude and heat I was slower then usually, but no major problems. Crossing the pass we rented a donkey for our backpacks, so no probs there! We were staying in tradidional Ladakhi villages on the way, some only 1-2 houses. I very much enjoyed this and as we were staying in Ladakhi homes it was very interesting and gave me a bit of an insight into the lifestyle of the local people. First thing I noticed when approaching the villages are the stupas (they look a bit like giant pieces from a chess game) , they are symbols of Buddhist believes and you always have to pass them clockwise, otherwise it is bad luck. The houses are surrounded by fields and the typical house is 2-3 stories high and white. On the ground floor live the the animals in the wintertime, on the 1st floor are the kitchen and some rooms and if there is a second floor there are more rooms around a roofterrace and the toilet is usually up there. The kitchen is the centre of the house and it's the biggest room by far. There are no chairs/ tables but cushions and small benches ( instead of a table). The old ovens are magnificent, huge and very richly decorated, they get fired with cowdung. The ceilings are wooden and usually black from the smoke, above the oven there is a hole in the ceiling to let the smoke out and the air in. Even though the kitchen has windows, it is a rather dark place but to my amazement all the houses we were staying in have solar power, so at nights when they turned on the lights it is actually brighter. I had the chance to finally eat proper Ladakhi food (in Leh you can find everything from Israeli schnitzel to pizza and chocolate pancakes, but not Ladakhi food...) freshly cooked for us. It was similar to Spaetzle, served with veggies from the garden (carrots and cabbage). Very tasty. Nowadays a lot of families buy food as well so another common food is rice with lentils and vegetables (rice and lentils don't grow in Ladakh). For breakfast it's chapatis, a very flat bread - after 3 days I had enough of it for a long while. The food is always accompanied by lots of tea, for us they had black tea but the families drink butter tea - it's tea with lots of salt and butter, an aqcuired taste to say the least. Usually when we first arrived we were served tea in our room, the rooms again don't have chairs or beds, but mattresses - for sitting during the day and then converted to beds at night, fairly simple but comfortable. The toilets I also found quite interesting, they are usually on the top level , there is a hole in the middle of the floor and everything falls down to the barn level. When you are done there is a shovel and some dung&earth mix that you throw down. Surprisingly it's quite hygenic and not smelly. They use everything next season for the fields. As it is now harvest season, the families spent the day in the fields, with children and old people. Sometimes there are no men as a lot of them seem to work as trekking guides or ponymen. Apparently most festivals are held in the winter as the families don't have that much work to do. All in all people are very friendly here and I get the feeling that they have a huge sense of family and tradition and even if they have a simple live they seem to be content and cheerful.

1 comment:

Anonymous said...

Hallo Sandra,

danke für Deine ausführlichen und sehr schönen Berichte! - Ich habe erst heute mal Zeit gehabt, alles zu lesen, was du bisher erlebt und erfahren hast.
Ich bin wirklich begeistert und habe echt Lust bekommen, den Rucksack zu packen und Dich ein Stück zu begleiten. In Wirklichkeit ist mein Leben aber momentan weit weniger abwechslungsreich (viel Arbeit & die Unsicherheit, ob mein Vertrag Ende des Jahres nun erneuert wird oder nicht), und ich muss auch zugeben, ich wäre wahrscheinlich nicht einfach mal allein nach Indien geflogen um dort 10 Monate zu verbringen...
Trotzdem finde ich es toll, das Du dieses Abenteuer angegangen bist und froh, dass es Dir Spass macht, im Großen und Ganzen alles gut geklappt hat und Du so viel Interessantes erlebst!
Weiterhin alles Gute und bis demnächst!

Tschüs, Uwe